Über uns  

Evelyn Wendler



Wer als vierte in der Geschwisterreihe auf die Welt kommt, ist sich spätestens zwanzig Jahre später beim Abitur sicher, kein Wunschkind gewesen zu sein. Dass das Private auch politisch ist, bekommt Evelyn anfangs nur in Gestalt des Vaters als Gewerkschafter mit, dass das Private auch dramatisch ist schon früher.

Evelyn Wendler studierte evangelische Theologie und entdeckte dreierlei. Erstens, dass Grammatik nicht nur im Hebräischen, Griechischen und Lateinischen eine faszinierende Sache ist. Zweitens, dass neben dem grammatischen auch das natürliche Geschlecht problematisch ist (Dissertationsthema sollte „Zur Sexualität der Frau im alten Israel“ sein). Und drittens, dass Voltaire recht hat: „Gott ist ein Komödiant, der vor einem Publikum spielt, das zu ängstlich zum Lachen ist.“

Während des Vikariats tat sie lieber beerdigen als taufen und machte P.J. Hoffmann 1989 einen Heiratsantrag, weil die Kirche bei Verheirateten 500 Mark mehr im Monat zahlte. Nach einer Krebserkrankung trat sie aus der Kirche aus und begann ein Germanistikstudium. Daneben arbeitete sie vier Jahre als U-Bahn-Fahrerin in Frankfurt. 250 Fahrgäste zu befördern hält sie nach wie vor für genauso anspruchsvoll wie 250 Personen im Publikum zu unterhalten.

Von 1993 bis 1998 trat Wendler mit dem Programm „Aschenputtel - eine märchenhafte Katastrophe“ auch als Solistin auf. Sie war bei den Frontfrauenrevuen in Köln und Frankfurt dabei und entdeckte: Kolleginnen sind nicht automatisch bessere Kollegen. 1995 wurde Kabbaratz Erwerbsmittelpunkt. Seitdem arbeitet sie also nicht mehr, um zu leben, sondern lebt, um zu arbeiten. An ihre Zeit als Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache an der VHS erinnert sie sich gerne zurück. Als eingeborene Hessin ist sie besonders stolz auf einen Lehrauftrag für Phonetik an der TU Darmstadt.  


Peter Hoffmann

 Als Hoffmann in der westfälischen Provinz auf die Welt kommt, sind beide Eltern bereits 45 Jahre alt. Verhätschelt wie ein Enkelkind schont er sich konsequent bei schulischen Herausforderungen. Nach dem Tod der Mutter ist er zwei Jahre in einem katholischen Heim. Seitdem hat er keine Hostien und keinen Apfelkuchen mehr zu sich genommen. Mit vierzehn Jahren ist er Waise und erkennt: außer dem bißchen Grips zwischen den Ohren, hat er kein Kapital und kein Talent, mit dem er wuchern könnte. Hoffmann ist ein gutes Beispiel für die Durchlässigkeit unseres Bildungssystems, denn trotz dreimal Sitzenbleiben und eines Hauptschulabschlusses im hessischen Ried schafft er nach 16 Jahren Schule 1980 am Wirtschaftsgymnasium das Abitur.

Er studiert Philosophie, Psychologie und Soziologie um sich, die Menschen und die Gesellschaft besser verstehen zu können. Das ist keine gute Idee, weil die Autisten, denen er bei den Philosophen begegnet, dringend psychologischer Betreuung bedürfen, die Psychologen intensiv mit Korrelationen und Statistiken rechnen - nur nicht mit Emotionen - und er nach drei Proseminaren in Soziologie weiß: es gibt keine negativen Vorurteile gegenüber Soziologen, es gibt halt Soziologen. Während des Studiums lernt Hoffmann als Pförtner telephonieren und als Bürobote, was Unterforderung bedeutet. Später, als er elf Jahre angehende Kinderkrankenschwestern in Psychologie und Sozialmedizin unterrichtet, lernt er tatsächlich etwas über Psychologie.